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Spine-Wert - Auswahl des Pfeiltyps

Spine Wert - ? Nein, das ist keine Antiperistaltik-Skalierung sondern eine ganz klar definierte Angabe über die Biegesteifigkeit eines Pfeils. Schön ist, dass unabhängig vom Material, also Holz, Alu oder Carbon die Messmethode immer die gleiche ist.

Ein Pfeil wird so auf zwei Auflageblöcke mit Abstand von 28" gelegt, dass die Mitte des Pfeils mit der Mitte der Auflageblöcke übereinstimmt. Auf die Mitte des Pfeils wird nun eine Gewicht mit 2lbs gelegt. Das Maß der Durchbiegung in Zoll ist der Spinewert. Z.B. hat ein 670er ACE eine Durchbiegung von 0,67" und ein 420er entsprechend 0,42". Je geringer der Spine-Wert, desto steifer ist also der Pfeil.

Der Spine-Wert muss entsprechend dem Zuggewicht des jeweiligen Schützen ausgewählt werden. Und da beginnt schon das Dilemma. Wer glaubt, dass sich das doch ganz einfach von den Wurfarmen ablesen lässt, der glaubt wahrschlich auch, dass die Rente sicher ist.

Das Zuggewicht ist ein Zusammenspiel von Bogenlänge (Mittelteil- UND Wurfarmlänge), Auszugslänge und „Stärke des Tillerns“.

Bogenlänge: Lassen wir die „Anfängerbögen“ einmal außen vor. Wurfarme gibt es in den Längen short, medium und long. Mittelteile meist in den Größen 23" und 25", seltener auch in 24" und größer 25". Folgende Kombination ergeben diverse Bogenlängen

MittelteillängeWurfarmlängeBogenlänge
23"short64"
23"medium66"
23"long68"
25"short66"
25"medium68"
25"long70"
27"medium70"
27"long72"

Auszugslänge: Wenn ihr im Endzug steht ist es das Maß vom Nockboden bis zum Button. Easton definiert in seiner Pfeil-Tabelle den Begriff des „correct arrow length“. Das ist grob gesagt die Auszugslänge PLUS mindestens 1 Zoll. Dieses Zoll ist zum einen der Spielraum, in dem die Pfeillänge zum tunen variiert werden kann - sprich kürzen - und auch ein Sicherheitsbereich, denn ein (viel) zu kurzer Pfeil stellt definitiv ein Verletzungsrisiko dar. Ich persönlich rate dazu 2 Zoll dazuzugeben.

Stärke des Tillerns: Die Tillerschrauben können nicht nur zur Synchronisation der Wurfarme verwendet werden, sondern auch dazu den Anstellwinkel von BEIDEN Wurfarmen so zu verändern, dass der Bogen stärker bzw. schwächer wird.

Ihr habt vielleicht schon einmal einen Dialog in dieser Art gehört:

A: „Wie stark ist dein Bogen?“
B: „34 lbs.“
A: „Und auf den Fingern?“
B: „36 lbs.“

Die 36lbs sind das Ergebnis von Bogenlänge, Auszugslänge und Stärke des Tillerns. Dies wäre der Wert, der bei Easton „bow weight“ heißt. Dieser Wert kann nur mit einer Bogenwaage ermittelt werden. Zusammen mit der „correct arrow length“ hat man einen guten Anhaltspunkt um in der Pfeiltabelle (Seite 39) den richtigen Pfeil auszusuchen. Beispiel gefällig - gerne. Als Egoist nehme ich meine momentane Ausrüstung: „bow weights“ ist 33lbs bei einer „correct arrow length“ von 728mm. Laut Tabelle bin ich damit in der Gruppe T4/T5. Ich möchte gerne ACE schießen - die Pfeile sollten in der Gruppe T4 670 oder 720 und in der Gruppe T5 620 oder 670 als Spine-Wert haben. Ich entschied mich für den 670er ACE.

Auch jetzt muss ich diejenigen enttäuschen, die meinen, damit wäre der Pfeil fertig eingestellt, wenn er auf die richtige Länge geschnitten und die empfohlene Spitze eingesetzt wurde. Jetzt geht es erst richig los. Die Überprüfung mit dem Blankschaft steht an. Wenn Blankschaft-Test das Ergebnis „zu weich“ oder „zu steif“ liefert - was ist dann zu tun? Die Möglichkeiten darauf Einfluss zu nehmen sind sehr umfangreich. Folgende Übersicht soll helfen, den Pfeil zu optimieren:

Pfeil zu steif?

  • Am Pfeil
    • mehr Gewicht in die Spitze (auf FOC achten!)
    • kürzeres Insert bei gleichem Gewicht
    • leichtere Federn (auf FOC achten!)
    • leichtere Nocken (evtl. auf Bushing verzichten)
    • Nocklänge kürzer (nur für die Spezialisten - Feinsttuning!)
    • Nockbettform kantig (dto.)
    • Pfeile verlängern (nur im äußersten Notfall, eigentlich nur mit Alu-Pfeilen möglich)
  • Am Bogen
    • Bogen „hochtillern“ (nicht zu stark, sonst wird das Zugverhalten im Endzug hart)
  • An der Sehne
    • Sehne ausdrehen (nicht zu stark, auf empfohlene Werte achten)
    • Sehne mit geringerer Strangzahl schießen
    • Nockpunkt leichter (evtl. gewickelter Nockpunkt statt Klemmnockpunkt)
    • Tab mit schnellerem Leder (z.B. Cordovan statt einfachem Leder)

Und, fällt euch etwas auf? Die ganzen Maßnahmen zielen darauf ab, entweder den Bogen schneller zu machen, oder beim Pfeil das Gewicht Richtung Spitze zu verschieben. Entsprechend entgegengesetzt verfährt man, wenn

Pfeil zu weich?

  • Am Pfeil
    • weniger Gewicht in die Spitze (auf FOC achten!)
    • längeres Insert bei gleichem Gewicht
    • schwerere Federn (auf FOC achten!)
    • schwerere Nocken (evtl. mit Bushing)
    • Nocklänge länger (nur für die Spezialisten - Feinsttuning!)
    • Nockbettform runder (dto.)
    • Pfeile verkürzen
  • Am Bogen
    • Bogen „heruntertillern“ (darauf achten, dass Tillerschrauben nicht zu weit herausgedreht sind - Schrauben können abreißen)
  • An der Sehne
    • Sehne eindrehen (nicht zu stark, auf empfohlene Werte achten)
    • Sehne mit höherer Strangzahl schießen
    • Nockpunkt schwerer (evtl. Klemmnockpunkt statt gewickelt)
    • Tab mit langsameren Leder (Rindsleder statt Cordovan)

Achtet bitte darauf, dass ihr immer nur EINE Maßnahme durchführt. Am besten protokolliert ihr eure Schritte, notfalls lassen sich bei Schritten in die falsche Richtung die „Fehler“ wieder beheben.

Quelle: Harald Weidinger

spine.txt · Zuletzt geändert: 2014/09/09 20:53 von Volker Leonhardt